Depression verstehen und behandeln  – im Gespräch mit Prof. Dr. Ulrich Hegerl

mit Prof. Ulrich Hegerl
„Sie sind nicht schuld an der Erkrankung. Es ist wie ein Rucksack, den sie leider tragen müssen. Und sie müssen lernen, damit möglichst gut umzugehen. Dazu gehört auch, dass man sich professionelle Hilfe holt. „
Bild von Laura Schulte

Laura Schulte

29.01.2024

Wie gefährlich ist es, eine Depression nicht ernst zu nehmen? In dieser Episode habe ich, Laura, Herrn Prof. Hegerl, den Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention, zu Gast. Gemeinsam beleuchten wir die verschiedenen Facetten der Depression, von den genetischen Ursprüngen über typische Symptome bis hin zu den Kriterien für eine Diagnose. Herr Prof. Hegerl erklärt uns, warum Depressionen nicht einfach eine Folge schwieriger Lebensumstände sind und gibt wertvolle Tipps, wo Betroffene und deren Angehörige Unterstützung finden können.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Episode liegt auf den präventiven Maßnahmen gegen Depressionen. Wir sprechen darüber, wie wichtig es ist, ein erfülltes Leben zu führen, in dem Tätigkeiten, Fähigkeiten und Erwartungen harmonieren. Die Pflege von Partnerschaften und Freundschaften kommt dabei ebenso zur Sprache wie die Bedeutung eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus.

Abschließend widmen wir uns den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und den Herausforderungen, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind. Herr Prof. Hegerl erläutert die Wirksamkeit von Antidepressiva und Psychotherapie und warum Geduld dabei eine so große Rolle spielt. Wir diskutieren neue Ansätze und die Bedeutung der Früherkennung. Außerdem stellen wir die umfangreichen Ressourcen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe vor, die Betroffenen und ihren Angehörigen zur Verfügung stehen. Diese Episode bietet tiefgehende Einblicke und praktische Ratschläge für alle, die mehr über Depressionen erfahren und Hilfe finden möchten.

Darüber sprechen wir:

(02:00) Vorstellung und Werdegang von Prof. Dr. Ulrich Hegerl

(03:20) Definition einer Depression

(07:10) Symptome und Diagnose einer Depression

(12:52) Verlauf einer Depression, Manie

(14:50) Schweregrade einer Depression

(15:45) Die Rolle der Veranlagung und Verhaltensweisen zur Vorbeugung von Depressionen

(19:00) Die Rolle der Ernährung und Nährstoffversorgung

(21:00) Betroffene von Depression: Zahlen und Fakten

(23:00) Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die mentale Gesundheit

(28:03) Behandlungsmöglichkeiten; Antidepressiva und Psychotherapie

(35:28) Früherkennung und Behandlung von Depressionen

(36:45) Aktuelle Entwicklung der Forschung zu Depressionen

(43:45) Abschließende Tipps für Betroffene und Angehörige

‚Prof. Hegerl‘, ’00:46:01′, ‚Die Angehörigen müssen auch wissen, dass sie nicht für die Heilung zuständig sind. Man kann die Depression ebenso wenig mit Liebe heilen, wie die Blinddarmentzündung. Was nicht heißt, dass es nicht unglaublich wichtig ist für den Erkrankten, dass er sieht, der Angehörige bleibt treu bei mir, hat Geduld und wendet sich nicht ab. Der steht an meiner Seite, das ist natürlich wichtig für jeden, der schwer erkrankt ist.‘

Über den Gast:

Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Leiter des Deutschen Bündnisses gegen Depression sowie der European Alliance Against Depression, engagiert sich seit über 30 Jahren intensiv für die Erforschung, Aufklärung und Suizidprävention im Bereich der Depression. Als Experte für psychische Erkrankungen ist er regelmäßig in den Medien und auf internationalen Kongressen vertreten. Seit 2013 ist Prof. Hegerl Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer. Vor seiner aktuellen Position hatte er bis März 2019 die Leitung der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Leipzig inne. Seit Juni 2019 ist er Inhaber der Johann Christian Senckenberg Distinguished Professorship an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt. Mit über 600 wissenschaftlichen Publikationen ist er eine herausragende Stimme in der psychiatrischen Forschung.